Generationenwechsel

Alle Jahre wieder kommt der Zeitpunkt an der sich ein jeder Spieler der grausamen Wahrheit stellen muss, dass die geliebte Spielekonsole nun zum alten Eisen gehört. Die Trauer ist natürlich nur von kurzer Dauer, denn gleichzeitig bedeutet das auch, dass neue, (hoffentlich) bessere Spielzeuge auf ihren Einsatz warten. Jetzt war es mal wieder so weit. Zeit nostalgisch zu werden.

Es war der fünfte Generationenwechsel, den ich in meiner „Karriere“ als Spieler mitgemacht habe. Ich komme mir alt vor. Angefangen hat bei mir alles – lang, lang ist’s her – mit dem Nintendo Entertainment System. Vor dem NES beschränkten sich meine Videospielerfahrungen auf einen kaputten Atari VCS 2600 (vermutlich … vielleicht war es auch ein Interton VC 4000 oder ähnliches) und den C64 meines Patenonkels. Schon damals konnten meine Eltern möglicherweise erahnen, dass ihr Sohn zu einem Videospiel-Geek heranwachsen würde … welches andere Kind verbringt schon unverhältnismäßig viel Zeit mit den defekten Controllern eines Atari VCS 2600, in der Hoffnung, dass diese wie durch ein Wunder doch auf einmal ihren Dienst tun würden?

DAS NES – LIEBE AUF DEM ERSTEN BLICK

NES11Den NES-Controller hatte ich dann das erste Mal 1990 in den USA in der Hand. Wir besuchten die Familie meines Onkels in den Staaten, mein Cousin war stolzer Besitzer dieses technischen Zauberkastens. Im Nachhinein ist es vielleicht ein wenig beschämend … aber das Highlight dieses Urlaubs waren für mich nicht die Niagarafälle oder die Sonnenuntergänge an den Stränden Miamis … nein … es waren die Super Mario Bros und Duck Hunt.

Zurück in Deutschland wollte ich natürlich auch „ein Nintendo“ haben. Jedoch … das stellte sich in den frühen Neunzigern als gar nicht mal so einfach heraus. Im beschaulichen Baden-Baden samt Umfeld zuckte jeder Fachhändler nur ratlos mit den Schultern. Zugegeben … würde man momentan in den Media Markt gehen und nach einer Playstation 4 fragen, wäre das Ergebnis zwar identisch … doch das NES war 1990 bereits 4 Jahre auf dem Markt. In München wurden meine Eltern schließlich fündig und Weihnachten war gerettet. Mein erstes Spiel war natürlich „Super Mario Bros“, bald darauf folgte „Mega Man 2“ … das waren Zeiten.

16 BIT? WAS IST DENN BITTE EIN BIT?

snesGerade mal zwei Jahre sollte meine innige Beziehung mit dem NES andauern. Denn Anfang 1992 kündigte sich bereits das Super Nintendo Entertainment System im Club Nintendo Magazin an. Was war denn das? Meine Welt war erschüttert! Unschuldiger Bub, der ich war, war es mir nie in den Sinn gekommen, dass es jemals etwas Besseres wie mein Nintendo geben könnte. Und doch … da stand es schwarz auf weiß: das Super Nintendo war mal mindestens um den Faktor „Super“ besser. Und in 16 Bit! Ich stand vor einem Problem: wie konnte ich meinen Eltern beibringen, dass das SNES eine Notwendigkeit war. Ich konnte kaum argumentieren, dass jeder in der Schule auch eines hatte. Selbst das NES hatte damals kaum jemand.

Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr wirklich weiß wie es mir gelungen ist … aber Weihnachten 1992 lag dann auch das SNES unter dem Weihnachtsbaum. Mit dabei: „Super Mario World“ und „F-Zero“. Yeah! Um den Dreh rum habe ich dann auch begonnen, Videospielmagazine zu lesen. Dies führte zu einer erstaunlichen Erkenntnis: es gibt nicht nur Nintendo! Von Sega und „Sonic the Hedgehog“ hatte ich zuvor nie gehört. Hätte man mich gefragt, ob Neo Geo eine Spielekonsole oder eine Boyband ist … ich hätte keine Antwort gehabt. Meine geliebte Videospielwelt war bei weitem größer wie ich jemals erahnt hätte. Das war … schrecklich. Den eines war klar: die anderen … die waren DER FEIND!

Meine favorisierten Magazine waren damals: Video Games, Mega Fun! und Total! Mein Traum: Videospielredakteur werden. Dank dieser Zeitschriften traf mich die nächste Generation weniger überraschend. Als treuer Nintendo-Recke begann dieser allerdings nicht 1995 mit Sega Saturn oder Sony Playstation, sondern 1997 mit dem Project Reality. Oder wie es dann letztendlich weniger spektakulär im Handel hieß: Nintendo 64.

WOAH … POLYGONE!

n64Meine Eltern waren mittlerweile allerdings der Meinung, dass ich mit 15 Jahren eigentlich zu alt für Konsolen sei. Ich war in der Pubertät und wollte ihnen da nicht direkt widersprechen. Ich war gleichzeitig allerdings auch riesiger „Star Wars“-Fan und „Shadows of the Empire“ sah auf der Vorspielkonsole im Kaufhaus verdammt gut aus. Um es kurz zu machen: einige Monate nach Launch plünderte ich mein Sparschwein, überzeugte meine Schwester davon, auch ihres zu plündern und tauschte im Ladengeschäft Geld gegen Konsole. „Mario 64“ war der „Launch“titel der Wahl (meine Schwester war nämlich leider kein riesiger „Star Wars“-Fan … „Shadows“ musste also noch ein wenig warten).

Ich erinnere mich noch gut daran wie meine Schwester und ich mit offenen Mündern vor „Mario 64“ saßen und absolut davon überzeugt waren, dass Spielegrafik nicht mehr besser werden kann. Vor allem die Wasserdarstellung begeisterte uns. Wie toll es aussah, wenn Mario ins Wasser sprang. Wow. Die Spitze des Grafik-Eisberges war definitiv erreicht.

Das konnte keiner ahnen!

DAS UNGELIEBTE KIND

Spielen wie „Ocarina of Time“, „Goldeneye“ und „Banjo Kazooie“ ist es zu verdanken, dass ich auch heute noch wohlwollend auf das N64 zurück blicke („Shadows of the Empire“ war allerdings eher so … naja). Etwas anders sieht es wiederum beim Gamecube aus, der 2002 meine 4. Konsolengeneration einläutete. Ich korrigiere: vermutlich war das 2002, dem Erscheinungsjahr des Gamecube. Jetzt – 11 Jahre später – kann ich nämlich nicht mehr exakt rekapitulieren, wann und – vor allem auch – warum ich den Gamecube gekauft habe. Ich weiß auch nicht mehr, welches Spiel ich damals mit dazu gekauft habe. Es war auf jeden Fall nicht „Luigi’s Mansion“.

GameCubeDas hängt mit Sicherheit ein wenig damit zusammen, dass der Gamecube meines Erachtens nicht die allertollste Nintendo-Konsole war. Third Party fand fast gar nicht statt und auch die Nintendo-Eigenproduktionen waren rückblickend nicht soooo bombastisch. „Mario Sunshine“ war okay, „Wind Waker“ eigentlich ziemlich gut, „Mario Kart – Double Dash“ zumindest ein interessantes Experiment und die „Smash Brothers“-Spiele mag ich allesamt nicht sonderlich (sorry). Nachhaltig beeindruckt hat mich keines der Spiele … ähm … okay … mit Ausnahme von „Metroid Prime“. Das war super.

EINE REVOLUTION … ODER?

Seit dem Super Nintendo habe ich parallel auch immer noch PC gespielt und der Wii ist es dann gelungen, dass ich mich eine Zeitlang fast vollständig nur noch dem Spielen am Computer gewidmet habe. Naja … der Wii … und „World of Warcraft“ (*räusper*). Das darf man jetzt nicht falsch verstehen. Ich habe mich auf die Wii gefreut. Endlich mal etwas Neues! Grafik ist ja auch gar nicht so wichtig! Das wird super … Zukunft des Spielens … ich komme!

wiiSo kam es, dass ich meine Wii schon relativ bald nach Launch erstanden habe – nachdem ich einige Tage lang mehrere Geschäfte erfolglos abgeklappert hatte. „Wii Sports“ war sowieso dabei, „Wii Play“ wurde mitsamt zweiter Wiimote auch noch direkt eingepackt. Und ja … das hat schon Spaß gemacht, vor allem im Zusammenspiel mit Freunden. Eine Zeit lang wurde die Wii auch überall mitgeschleppt … es hatte ja noch nicht jeder eine. Für mich kam dann allerdings schnell die Ernüchterung. Die Erkenntnis kam schleichend, aber irgendwann traf sie mich wie ein Schlag: ich gehörte nicht zur Zielgruppe der Wii. Partyspiele machen natürlich Spaß … aber mit zunehmenden Alter nahm bei mir dann auch die Zahl der Parties stetig ab. Und abseits der vielgescholtenen Casualgames gab es dann leider nicht gar so viel. Die gelegentliche Brillianz eines „Mario Galaxy“ oder „Donkey Kong Country Returns“ hielten mich nicht bei der Wii. Der PC wurde meine Hauptspieleplattform.

ÜBERLÄUFER WERDEN ERSCHOSSEN!

ps3Und das wäre vielleicht auch heute noch so, wenn ich mir nicht irgendwann (2011)  in den Kopf gesetzt hätte, eine Playstation 3 zu kaufen. Die „Uncharted“-Spiele reizten mich schon lange, „Heavy Rain“ sah ebenfalls saugut aus und … verdammt noch mal … ich wollte unbedingt „Red Dead Redemption“ spielen. Was war ich heiß auf das Spiel (zu Recht, wie sich herausstellen sollte). Als ich dann einige Tage lang eine PS3 zu Besuch hatte, war es endgültig um mich geschehen und die Sache beschlossen: in dieser Generation würde ich zweimal die Generation wechseln! Und nicht nur das: zum ersten Mal würde ich mich von Nintendo abwenden. Das habe ich bis heute nicht bereut. Es mag mit dem Alter kommen … aber irgendwann erscheint einem das Fanboytum ein wenig müßig. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass man eine Konsolenneuanschaffung nicht mehr vor seinen Eltern und Kumpels rechtfertigen muss, sondern nur noch vor sich selbst (und eventuell der Freundin/Gattin bzw. dem Freund/Gatten … ähem).

Der Wechsel von der Playstation 3 auf die (mittlerweile) aktuelle Generation stand außer Frage. Nur welche Konsole sollte es werden? Die Entscheidung war letzten Endes nicht sehr schwer. Die WiiU stand nicht wirklich zur Diskussion. Das gesamte Konzept überzeugte mich nicht (wenn ein neues „Zelda“ kommt, überleg ich es mir vielleicht noch einmal). Die XBox One … ja … naja … nach der Pressekonferenz Anfang des Jahres war mir ziemlich klar, dass auch die Microsoftkonsole zunächst keine Heimat bei mir finden würde. Bereits vor dem PR-Desaster tendierte ich allerdings bereits stark zur neuen Sony-Konsole, da ich persönlich besser auf „Halo“ und „Gears of War“ verzichten kann wie auf „Uncharted“, „Last of Us“ und „Infamous“. Microsoft hätte schon gewichtige Argumente bringen müssen, um meine Entscheidung zu beeinflussen. Aber auch hier: ich möchte nicht ausschließen, dass auch die Xbox One noch eines Tages den Weg in mein Regal findet. Schlecht sind die Exklusivtitel der Redmonder ja auch nicht.

GUGG MAL … WIE SCHÖN DAS LICHT IST

ps4Am 29. November brachte mir der Postbote dann meine Playstation 4 … die erste Konsole, die ich direkt zum Launch gekauft habe. Als ich sie ausgepackt habe, fühlte ich mich kurz zurück in meine Kindheit versetzt: Weihnachten, die Vorfreude auf neue Spielzeuge … Gefühle, die ich nur noch selten empfinde. Mittlerweile ist Weihnachten eigentlich nur noch Stress. Aber für diesen kurzen Moment war ich wieder ein Kind an Weihnachten. Dann der Geruch der neuen Konsole, das vorsichtige Auspacken des Gerätes, des Controllers, der Kabel. Anschließen … und Zittern, dass sie auch läuft.

Gut … das war in meiner Kindheit allerdings nicht so.

Aber sie lief. Und läuft auch weiterhin. Und auf ihr laufen „Killzone: Shadow Fall“, „Assassin’s Creed 4“ und „Call of Duty“. Und wenn ich dann in der Karibik freibeute oder die fantastische Beleuchtung auf Vectra bewundere, komme ich nicht umhin, mit Erstaunen festzustellen, was für eine Entwicklung mein liebstes Hobby in unseren gemeinsamen 22 Jahren durchlebt hat. Es wurde mit mir zusammen erwachsen und – im Gegensatz zu mir – immer schöner. Für mich begann alles mit einem Klempner, der eine Aversion gegen Schildkröten hatte. Nie hätte ich gedacht, dass dieses Medium eines Tages Geschichten erzählen würde, die mich zu Tränen rühren. Oder es rummsen lassen würde wie ein Michael Bay. Es muss Beides geben.

Sie werden so schnell groß *seufz*
Ich hatte an sich nicht vor, solch eine nostalgisch gefärbte Erinnerungsachterbahn auf’s (digitale) Papier zu bringen, aber wie das halt manchmal so ist … es ist ein wenig ausgeartet. Ursprünglich wollte ich nur ein paar Zeilen über die neue Konsolengeneration schreiben. Aber das ist ja das tolle an der eigenen Seite … man kann machen, was man will!

Meine Freundin würde sich wahrscheinlich freuen, wenn ich eines Tages einen ähnlich leidenschaftlichen Text über unsere Beziehung verfassen würde. Naja … vielleicht ein anderes Mal. Und sicher nicht hier … ähem …

Bilder: us.playstation.com, developersaccomplice.co.uk, theoldcomputer.com, emulation-general.wikia.com, de.mario.wikia.com, de.ign.com, gamesaktuell.de, giga.de

Eine Antwort auf Generationenwechsel

  1. […] aber definitiv ein Fanboy. Und zwar – wie man meinem Generationwechsel-Beitrag ansatzweisen entnehmen kann – ein Nintendo-Fanboy. Meine Karriere als fanatischer Fan […]

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