Die Leiden des jungen A. – Die 15 härtesten Spiele meiner Spielerkarriere (2)

hardgames_0Es ist soweit: Zeit für Teil 2 meiner großangelegten Liste der 15 härtesten Spiele meiner Spielerkarriere (hier geht’s zu Teil 1 und hier zu Teil 3). Ursprünglich sollte dies auch der letzte Teil werden, da ich jedoch eine elende Laberbacke bin, hätte dieser Text in seiner ursprünglichen Form alle erdenklichen Maßstäbe gesprengt. Die logische Schlussfolgerung: Willkommen zu Teil 2 einer Trilogie. Wie es sich für gute Trilogien gehört, ist Teil 2 der Teil, in dem unser Held herbe Rückschläge einstecken muss und jeglicher Hoffnung beraubt wird. Watete ich im letzten Teil noch durch die Untiefen der fiesesten NES-Foltersoße aus längst vergangener Zeit, sind dieses Mal etwas aktuellere PC- und SNES-Spiele an der Reihe. Nach dieser Ankündigung beginne ich folgerichtig mit einem 30 Jahre alten Spiel.

8. KING’S QUEST (PC)

hardgames_1„King’s Quest“ steht hier stellvertretend für so ziemlich alle frühen Quest-Spiele von Sierra. Mit „frühe Quest-Spiele“ meine ich in erster Linie all jene, die mit Befehlseingabe via Text-Parser gesteuert wurden. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch … damals als man noch selbst tippen musste, in einer Zeit bevor Lucasfilm Games die Maus erfunden hat (oder so ähnlich). Es gibt zwei Gründe, weshalb mein Hirn diese Adventures in der Kategorie „Harte Brocken“ einsortiert: Zum einen war ich gerade einmal 10 – 11 Jahre alt als ich mich an diesen Spielen versucht habe und hatte gerade erst damit begonnen meine ersten wenigen Brocken Englisch zu lernen, zum anderen konnte jeder falsche Schritt, jede harmlos erscheinende Aktion, jeder schräge Blick tödlich sein.

Das hier war nicht das mir bereits vertraute lustig-harmlose LucasArts-Lala-Land, in dem einem nichts Schlimmes passieren konnte. Im knallharten Sierra County wurde dem unbedarften Spieler nichts geschenkt. Man musste sich durchkämpfen, sich Haare auf den Zähnen wachsen lassen und sich trauen unorthodoxe Wege zu gehen! Häufiges Speichern war keine Option, sondern erste Bürgerpflicht. Alternativ konnte man allerdings auch ahnungslos und größtenteils untätig umherirren, sterben und aufgeben. Ich gehörte eindeutig zu der zweiten Fraktion. Meine Spielversuche verliefen nämlich meist ziemlich erbärmlich.

hardgames_6Da ich die Spielinhalte nicht mehr exakt im Kopf habe, beschreibe ich eine Szene wie sie hätte stattfinden können, jedoch nicht zwingend stattgefunden hat: Ich bewege Graham, so der Name des Protagonisten der ersten „King’s Quest“-Spiele, optimistisch durch die Landschaft. Nach kurzem Marsch erreiche ich einen Wald. Okay … darauf bin ich vorbereitet. Ich tippe: „look around“. Eine Texteinblendung sagt mir, dass ein Ast auf dem Boden liegt und ein Eichhörnchen im Baum sitzt. Ich verstehe zwar nur Bahnhof, schnappe jedoch die Worte „branch“ und „squirrel“ auf. Konzentriert auf der Unterlippe kauend, haue ich „take branch“ in die Tasten. Ah … wunderbar. Das scheint geklappt zu haben. Ich versuche meinen Erfolg zu wiederholen: „take squirrel“. Das Eichhörnchen zerfleischt mich … vermutlich. Zu sehen ist mit Ausnahme einer weiteren für mich größtenteils unverständlichen Textbox nämlich nichts. Der letzte Speicherstand wird geladen. Mist.

Ich habe in den frühen Quest-Spielen nur selten irgendetwas halbwegs Relevantes erreicht. Gott sei Dank hatte ich diese damals nur … ähm … ausgeliehen, sonst hätte ich mich vermutlich ziemlich geärgert. Wenn man jedoch weiß, was zu tun ist, sind die Spiele mit Sicherheit kein Hexenwerk. Die ersten drei „King’s Quest“-Teile gibt es mittlerweile kostenlos als deutlich aufgehübschte Remakes, die ohne Texteingabe auskommen. Yeah!

9. PILOTWINGS (SNES)

hardgames2Eines vorweg: „Pilotwings“ ist kein durch und durch schweres Spiel. Streng genommen ist Nintendos Quasi-Flugsimulator sogar weniger ein Spiel, sondern mehr eine Tech-Demo für die Mode-7-Technologie, dank derer durch das Rotieren und Skalieren einer zweidimensionalen Hintergrundebene geschickt der Eindruck erweckt wurde ein dreidimensionales Spiel zu spielen. Als Spieler hat man nur ein Ziel vor Augen: den Erhalt sämtlicher Fluglizenzen bei sämtlichen Fluglehrern.

Die ersten vier Lizenzen hatte ich dann auch recht schnell in der Tasche. Während ich mich geistig darauf vorbereitet habe, auch die finalen vier Herausforderungen zu meistern, fand ich mich jedoch plötzlich in einem Kampfhelikopter wieder. Wie? Kampfhelikopter? Meine bisherigen Erfahrungen beschränken sich auf friedfertige Gerätschaften: Doppeldecker, Jetpack, Hängegleiter und Fallschirm. Aber wie heißt es so schön: Waffen sind immer ein Gewinn.

hardgames_7Aber wie kommt es eigentlich, dass ich mit einem Mal einen waffenstrotzenden Helikopter steuern darf? Ist Krieg ausgebrochen? Hat der Präsident der Welt beschlossen, dass ein aufstrebender Flugschüler, der bereits vier Fluglizenzen in den Disziplinen Doppeldecker, Jetpack, Hängegleiter und Fallschirm sein Eigen nennt, die perfekte Wahl für streng geheime Kampfeinsätze ist? Na gut … wir wollen mal nicht albern werden. In Wirklichkeit ist es nämlich ganz anders. Es ist bei weitem nachvollziehbarer: Meine vier Fluglehrer wurden von einem bösen Syndikat entführt. Gott sei Dank ist es einem eingeschleusten Agenten bereits gelungen, die wackeren Instruktoren zu befreien. Nun ist es an mir mitten ins Feindgebiet zu fliegen und die Lehrer zurück in die Sicherheit zu bringen. Warum ein böses Syndikat Fluglehrer entführt? Nun … vielleicht sammelt der böse Syndikatsboss ja in seiner Freizeit Fluglehrer. Wer weiß das schon? Es soll seltsamere Sammelticks geben. Warum gerade ich, der ich noch nie zuvor einen Helikopter geflogen bin, für diesen Einsatz auserkoren wurde? Nun … vielleicht gibt es außer mir einfach … ähm … keine anderen Piloten. Jawoll. Ähem.

Viel wichtiger: Im Gegensatz zum bisherigen Spiel war diese Mission verflucht happig. Am Boden lauerten massenweise Geschütze, die es auf mein fragiles Luftgefährt abgesehen hatten. Diese konnte man zwar problemlos mit einem gezielten Treffer ausschalten, mein Helikopter gab im Gegenzug jedoch ebenfalls bereits nach einem glücklichen Streifschuss den Geist auf. Unnötig zu erwähnen, dass das böse Syndikat gnadenlos in der Überzahl war.

Sollte einem diese waghalsige Rettung schließlich tatsächlich gelingen, werden die verbleibenden vier Prüfungen freigeschaltet. Denn … ja … wir sind zwar gut genug für einen halsbrecherischen Kampfeinsatz, jedoch noch lange nicht am Ende unseres Doppeldeckertrainings. Selbstverständlich zieht auch hier der Schwierigkeitsgrad nun deutlich an. Sollte es einem letzen Endes gelingen sämtliche Lizenzen in der Tasche zu habe, dann – Freude schöner Götterfunken – darf man sich ein weiteres Mal in den Heli schwingen. Ächz …

Unnötig zu erwähnen, dass ich den Abspann des Spieles niemals zu Gesicht bekommen habe.

10. SUPER STAR WARS – RETURN OF THE JEDI (SNES)

hardgames_32„Star Wars“ war der erste Film, der mich als Kind nachhaltig beeindruckt hat. Meine langanhaltende Leidenschaft für bewegte Bilder nahm mit dieser Filmreihe ihren Anfang. Zugegeben: das ist nicht besonders originell. „Star Wars“ hat im Laufe der Jahrzehnte Millionen Kinder fasziniert und zukünftige Filmschaffende inspiriert. In meiner Schulklasse war ich jedoch der einzige „Star Wars“-Fan. Ich bemühte mich allerdings diesen Makel durch gesteigerten Fanatismus auszugleichen. Selbstverständlich fanden daher auch einige „Star Wars“-Computerspiele ihren Weg in meine gierigen Hände. Neben zahlreichen PC-Spielen gehörte dazu auch „Super Star Wars – Return of the Jedi“ für das SNES.

„Super Star Wars – Return of the Jedi“ für das SNES ist ein Run’n’Gun-Spiel, welches dem videospielbegeisterten Fan (a.k.a ich) den lange gehegten Kindheitstraum erfüllt, verschiedene Szenen des Films mit dem Helden der Wahl nachzuspielen. Dementsprechend euphorisch machte ich mich damals ans Werk: Ich sprang als Luke Skywalker durch die Wüste, streckte Gegner mit dem Lichtschwert nieder und wurde dann selbst recht flott vom Schwierigkeitsgrad niedergeknüppelt. Uffz … das musste man erst einmal verdauen.

Dabei kann ich mich vermutlich noch glücklich schätzen. Internetquellen zur Folge ist „Super Star Wars – Return of the Jedi“ immerhin deutlich machbarer als der direkte Vorgänger „Super Star Wars – The Empire Strikes Back“. Ursprünglich wollte ich wiederum genau diesen wegen der AT-AT-Schlacht auf Hoth kaufen. Bevor es dazu kam, erschien dann allerdings der Nachfolger und … naja … neuer ist bekanntlich immer besser. Glück gehabt.

Nun sollte man jedoch nicht den Fehler begehen und „leichter als der Vorgänger“ mit „leicht“ verwechseln. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist das Spiel weit davon entfernt ein Spaziergang zu sein. „Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache“, sagte ich mir nach meinem ersten Scheitern. Doch ein Jedi im Geiste lässt sich so leicht nicht abschrecken. In langen Meditationen verinnerlichte ich jeden Level, die Positionen aller Gegner wurden minutiös auswendig gelernt und mein motorisches Gedächtnis prägte sich sämtliche Sprünge ein. „Tu es oder tu es nicht … es gibt kein Versuchen“, das war mein Mantra. Von diesem Spiel würde ich mich mit Sicherheit nicht zu Sarlacc-Futter verwursten lassen!

Yoda wäre stolz mich … letzten Endes ist es mir tatsächlich gelungen „Super Star Wars – Return of the Jedi“ zu bezwingen. Auf „easy“ zwar … aber immerhin! Die Macht war mit mir.

11. Z (PC)

hardgames_4Mitte der 1990er waren Echtzeitstrategiespiele der heiße Scheiß. Obwohl ich von Natur aus kein sonderlich strategischer Denker bin, wollte auch ich auf den Hype-Zug aufspringen und mir ein solches zulegen. Doch welches sollte es werden? „Command & Conquer“ oder „WarCraft 2“? Demos hatte ich schon von beiden Spielen gespielt. Unentschlossen blätterte ich durch eine „PC Games“-Ausgabe des Jahres 1996 als meine müden Augen auf den Test des neuesten Echtzeitstragie-Hits fielen: „Z“ von den legendären Bitmap Brothers. „Z“ war anders wie der Rest der langsam ranzig riechenden Strategiesuppe, so versprach der Test. Besonders hervorgehoben wurde die aggressive und erstaunlich raffiniert agierende künstliche Intelligenz des Computergegenspielers. Na das klang doch ganz vielversprechend.

Gesagt, getan. Nur wenig später befand sich „Z“ in meinem Besitz und es war tatsächlich anders. In „Z“ gibt es keine klassischen Ressourcen, man baut auch keine Fabriken. Stattdessen erobert man Gebiete, auf denen teilweise Fabriken stehen. Ist man Herr einer Zone produziert die darauf befindlichen Fabrik Fahrzeuge oder Robosoldaten für die eigene Sache. Je mehr Gebiete man wiederum unter der eigenen Fuchtel hat, desto schneller werden Einheiten von den Werkstätten ausgespuckt. Der Schlüssel zum Sieg ist daher möglichst schnell möglichst viel Druck auf den Gegenspieler auszuüben. Das weiß allerdings auch die gegnerische KI.

Diese schenkt einem nichts und übt vom Beginn einer Partie an von allen Seiten Druck aus. Eine einzige zu zögerlich getroffene Entscheidung kann das sofortige Ende bedeuten. Ist man einmal ins Hintertreffen geraten, hat man so gut wie verloren. Wäre es nicht schon schlimm genug, dass man hinten liegend meist deutlich weniger Einheiten wie der Feind hat … nein … die verbleibenden Fabriken brauchen dann auch schon mal bis zu 10 Minuten für die Produktion jedes neuen Kampfgefährts. Ja… hier haben wir es mit einem Spiel zu tun, dass einen noch einmal schön kräftig in den Magen tritt, wenn man eh schon zusammengekrümmt am Boden liegt. Missionenneustarts im Minutentakt sind in „Z“ keine Seltenheit. Das macht Freude.

Kurz vor Ende packte ich dann die weiße Fahne aus und ergab mich. Blöde Roboter.

TO BE CONTINUED … AGAIN

Damit endet dann auch der zweite Teil. Der finale dritte Teil folgt Anfang bis Mitte nächster Woche. In diesem widme ich mich dann Spielen ab der N64-Ära. Habt ihr noch irgendwelche Ergänzungen? Liege ich irgendwo total falsch und bin einfach nur ein Kack-Noob? Teilt es mir mit, sei es in den Kommentaren, auf Facebook oder über Twitter. In der modernen Welt gibt es ja glücklicherweise so viele Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren, ohne miteinander reden zu müssen. Allerdings muss man sich so wenigstens nicht immer eine Hose anziehen. Guten Tag.

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Amazon-Einkaufstipps: Ziemlich alle „Quest“-Spiele dürfte man in digitaler Form bei Good Old Games finden, bei Amazon eher nicht. „Z“ gibt es dort wiederum sogar, für „Pilotwings“ und „Super Star Wars – Return of the Jedi“ muss man Nintendos Virtual Console (Wii) bemühen. Da das alles nicht so ergiebig ist, weiße ich einfach mal noch auf die Amazon-Osterwoche hin, bei der man noch bis Montag (14.04.2014) feine Schnäppchen machen kann (beispielsweise gab’s das PSVita-Megapack 1 für schlanke 150€).

7 Antworten auf Die Leiden des jungen A. – Die 15 härtesten Spiele meiner Spielerkarriere (2)

  1. […] Und damit beende ich den ersten Teil. Vielleicht ist dem Ein oder Anderen bereits aufgefallen, dass sich bisher nur NES-Spiele in diese Liste verirrt haben. Ob das nun daran liegt, dass Spiele früher schwieriger waren oder daran, dass ich mit 10 Jahren ein schlechterer Spieler war, kann ich nicht sagen. Doch mit dieser 8-Bit-Zentrierung ist nun Schluss, denn beim nächsten Mal kommen auch andere Systeme zu ihrem zweifelhaften Recht: Hier geht’s zu Teil 2. […]

  2. DMJ sagt:

    „Jedi“ hast du geschafft? Nicht übel – an der Flucht aus dem Todesstern bin ich gescheitert. Immer und immer wieder.
    Hatte Cheats, konnte also alle Levels mit allen Charakteren erforschen, aber das Ende habe ich nie hinbekommen. :S

  3. Andreas sagt:

    Die Cheatcodes hatte ich ebenfalls 😀 Ich weiß auch gar nicht, ob ich jemals alle Level in der richtigen Reihenfolge durchgespielt habe, aber ich habe auf jeden Fall jedes einzelne mindesten einmal beendet. Ich hatte immer den Eindruck, dass der größte Gegner bei der Flucht aus dem Todesstern die Grafik selbst ist. Wenn man mal kapiert hat, wann man weshalb wo dagegen kracht, ging es eigentlich.

  4. […] Hinter diesem Link versteckt sich der erste Teil, der sich voll und ganz dem NES widmet, und hinter diesem Link der fabulöse zweite Teil, prall gefüllt mit PC und SNES-Spielen. Dieses Mal heißt es wiederum: […]

  5. Poly sagt:

    Bei Z war immer besonders schön, dass einen das Spiel dann auch noch verspottet, wenn man verliert. „Wir verachten sie, Sir!“ „Was für’n doofer Heini“ etc., absolut super xD

  6. Andreas sagt:

    So sieht es aus! Motivation durch Beleidigung funktioniert einfach immer. Jawoll! Ähem … 😀

    Feine Seite hast du da übrigens 🙂

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