Dungeon Keeper – Ruhe in Frieden, alter Freund

dungeon keeper 1Wir schreiben das Jahr 1997. Der Sommer der Liebe. Bullfrog war bereits von Electronic Arts gefressen, aber noch nicht wieder ausgekotet worden und Peter Molyneux war nicht nur für große Versprechen, sondern auch für große Spiele bekannt. Das letzte Spiel an dem er unter dem Banner des Ochsenfrosches gearbeitet hat, war „Dungeon Keeper“.
Im Juli des gleichen Jahres blätterte sich mein jüngeres und faltenfreieres Ich durch die PC Games und verschlang freudig geifernd den „Dungeon Keeper“-Testbericht. Strategiespiele waren an sich nicht mein Ding … aber das klang super: man spielt das Böse, baut einen Dungeon voller fieser Fallen auf, züchtigt seine Imps und tötet Helden. Das war lustig und ein bisschen unmoralisch (einige Jahre später sollte ich dann auch verstehen, warum „Horny“ so ein lustiger Spitzname für das ikonische Obermonster der Reihe war). Aber war es auch super? Dumme Frage … aber hallo war das super. „Dungeon Keeper“ war eines der Spiele, bei dem man während des Spielens bereits gemerkt hat: „Das hier … das wird eines Tages ein Klassiker sein.“

Kurz nach der Veröffentlichung von „Dungeon Keeper“ trat Molyneux die Flucht nach vorne an. Da er sich durch Electronic Arts kreativ eingeschränkt fühlte, verließ er Bullfrog (und damit auch EA) und gründete die Lionhead Studios. Die Rechte an „Dungeon Keeper“ verblieben allerdings bei dem Branchenriese. Wenn EA eines kann, dann Fortsetzungen und so kam es, dass 1999 ein zweiter Teil erschien, der seinem Vorgänger qualitativ sogar beinahe ebenbürtig war. Der große Verkaufserfolg blieb allerdings leider aus, weshalb der bereits angekündigte dritte Teil eingestampft wurde. Nachdem in den folgenden Jahren kaum noch Spiele unter dem Bullfrog-Label erschienen (darunter ein Quake 3 – Port für die Playstation 2), wurde das Studio 2004 endgültig aufgelöst. „Dungeon Keeper“ war damit Geschichte …

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So schien es zumindest. Doch das Ächzen und Flehen der Fans wurde erhört. Nach Jahren der Funkstille erschien – beinahe wie aus dem Nichts – vor kurzem ein weiteres Spiel, welches den Namen „Dungeon Keeper“ im Titel trägt … für iOS und Android. Und das Beste: es kostet nichts! Spätestens jetzt sollten sämtliche Alarmglocken lauthals schrillen und sämtliche Imps, Skelette und Orcs panisch die Folterkammer der Vorfreude verlassen. Das wird kein gutes Ende nehmen.

Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Denn das, was uns EA hier vorgesetzt hat … das ist nicht „Dungeon Keeper“. Das ist „Farmville“ mit Monstern. Eines der zahlreichen … ähem … wunderbaren Spiele, bei denen man gelegentlich einen Klick (beziehungsweise Fingertapps) machen kann, um dann einige Minuten, Stunden oder Tage darauf zu warten, dass etwas passiert. Danach kann man wieder klicken. Was? Wie? Die ständige Warterei ist euch zu blöd? Kein Problem! Für ein paar Euro (oder auch ein paar mehr) kann man die Wartefristen beschleunigen! Ja … das stinkt. Das stinkt mindestens so modrig wie die Leichenteile, die in einem gut sortierten Dungeon nicht fehlen sollten.

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Ist „Dungeon Keeper“ schlechter als andere Spiele dieser Art? Nein … vermutlich nicht. Es ist genauso gut oder schlecht wie „Die Simpsons – Springfield“ oder „Township“. Man kann sich vielleicht ein wenig wundern, dass die Anfixphase, in der die Nutzer an das befriedigende Erfolgserlebnis durch Klicken gewöhnt werden sollen, vergleichsweise kurz ist – man ist quasi direkt nach dem Tutorial darauf angewiesen Geld auszugeben, um einen halbwegs flüssigen Spielablauf zu ermöglichen – aber wirklich schlechter wird das „Spiel“ dadurch nicht. Man kann auch die beinahe schon kriminell anmutende Ausbeutung naiver Nutzer anprangern … aber auch hierin unterscheidet sich „Dungeon Keeper“ keinen Deut von anderen Ausgeburten dieser „Spiele“gattung. Woher kommt also der ganze Hass? „Die Simpsons – Springfield“ (ebenfalls EA) hat doch auch keinen Shitstorm ausgelöst. „Die Simpsons“ sind allerdings auch kein geliebtes und bei vielen Fans in hohen Ehren gehaltenes Spielefranchise. Würde „Dungeon Keeper“ nicht Dungeon Keeper“ heißen, sondern „Monster Zoo“ … kein Mensch würde auch nur mit der Wimper zucken.

Aber so … als wäre es nicht genug, dass die Reihe tot ist. Jetzt hat auch noch ein Scharlatan ihren Namen angenommen und pinkelt irre gackernd auf ihr Grab. Liebes EA, warum hast du das getan? Was hast du dir davon erhofft? Wolltest du die Fans der Reihe ansprechen? Das ist dir definitiv nicht gelungen. Fans der Reihe sitzen nun in ihrem dunklen Kämmerlein und schreiben wütende Artikel. Fans der Reihe testen das Spiel und geben ihm zornesrot eine 1%-Wertung. Nein … Fans der Reihe hast du auf diese Weise nicht erreicht. Und alle anderen? Denen ist es doch scheißegal, ob ihre neue Lieblingsapp „Dungeon Keeper“ oder „Monsters vs. Heroes“ heißt. Ich verstehe es nicht … „Die Simpons“ .. okay … das ist eine Marke, die zieht allein durch ihre Popularität. Damit kann man die ahnungslosen Massen anlocken. Aber „Dungeon Keeper“ … ?

„Dungeon Keeper“ ist tot.

Ruhe in Frieden, alter Freund …

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Dank Good old Games kann man die tollen Originalspiele auch heute noch käuflich erstehen. Teil 1 gibt es hier, Teil 2 wiederum unter diesem Link. Zahlt lieber die paar Euro dafür und lasst die App links liegen.

Nachklapp (14.02.2014): Momentan verschenkt gog.com das Original-„Dungeon Keeper“. Zuschlagen! Die Aktion läuft noch bis Sonntag, 12 Uhr.

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