Blog,  Spiele (im Detail)

Rocket League: Kick it like Vettel

rocket_league_logoIch bin kein großer Fussballfan.

Als Kind war ich ein ganzes Jahr lang Mitglied eines Fussballverein … und das obwohl ich bereits damals kein großer Fussballfan war. Ein Schulfreund von mir hatte seinerzeit allerdings die steile These aufgestellt, dass man schneller rennen könne, wenn man im Fussballverein war. Er war im Fussballverein, er konnte schnell rennen. Ich – großes dickes (und vor allem faules) Kind, das ich war – wollte auch gerne schnell rennen können. Also trat ich dem örtlichen Fussballverein bei. Eine dumme Entscheidung … ich mochte das Spiel damals nicht, ich mag es immer noch nicht. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass ich nach einem Jahr gequältem und vor allem wenig enthusiastischen Trainings immer noch nicht schneller rennen konnte. Konsequenterweise kehrte ich dem Sport danach dann den Rücken zu.  Eigentlich eine Schande. Vermutlich ist an mir ein fantastischer FIFA-Funktionär verloren gegangen.

Ich bin kein großer Fan von Fussballvideospielen.

In Anbetracht meines eher ambivalenten Verhältnisses zur Sportart Fußball ist das natürlich keine große Überraschung. Dennoch kommt es alle Jubeljahre vor, dass ich mir ein (meist Vorjahres-) FIFA zulege. Wie es der Zufall will, fallen diese Einkäufe recht häufig mit Fussballgroßereignissen zusammen, denn der geballten Massenhysterie einer Welt- oder Europameisterschaft kann auch ich mich nicht vollkommen entziehen. Dieses in Fussballumnebelung erstandene Spiel spiele ich daraufhin einige wenige Stunden, damit es fortan in Ruhe Staub ansetzen kann.

Ich bin kein großer Fan von Multiplayerspielen.

All diejenigen, die zufällig meinen Artikel über meine “Call of Duty”-Mehrspielererfahrungen gelesen und das dazugehörige Video gesehen haben, ahnen es möglicherweise bereits: Multiplayermodi sind nicht unbedingt meine Welt. Es mag an meinem fortgeschrittenen Alter und an meinem ungeselligen Wesen liegen, aber weder bin ich sonderlich erfolgreich im digitalen Wettstreit mit anderen, noch habe ich ein sonderlich starkes Interesse mit meinen oftmals kreativ fluchenden Mitspielern online zu interagieren. Ich möchte einfach in Frieden in virtuelle Welten abtauchen und für einige Stunden der zunehmend hässlicheren Welt entfliehen. Dummen intoleranten Arschlöchern begegnet man beim Onlinestreifzug sowieso alle paar Meter, daher möchte ich erst gar nicht das Risiko eingehen mir meine entspannenden Spielstunden von solchen Spezialisten verderben zu lassen.

Nachdem ich das klargestellt habe, möchte ich mit nur schwer gedrosselter Begeisterung eine Empfehlung für das Multiplayer-Auto-”Fuss”ballspiel “Rocket League” aussprechen (auch wenn das momentan nicht unbedingt sonderlich originell ist, da das halbe spielende Internet “Rocket League” empfiehlt). Alter Falter … ist das gut!

DER MANN VON WELT TRÄGT EINEN HUT …

Würde man mich mit vorgehaltener Waffe zwingen zu analysieren was genau “Rocket League” so verdammt spaßig macht, würde ich vermutlich zu dem Schluss kommen, dass das verschiedene Gründe hat, die sich jedoch letzten Endes mit einer häufig bemühten und nichtsdestotrotz zutreffenden Floskel zusammenfassen lassen: “Easy to learn, hard to master”.

Das Spiel: Ein Ball, zwei Teams, keine Abseitsregel, kein Aus, kein Abstoß und bei einem Tor explodiert der Ball.

Die Steuerung: Ein Knopf zum Gasgeben, ein Knopf zum Bremsen, ein Knopf für die Handbremse, ein Knopf für den Turboboost und einer zum Springen (denn selbstverständlich können Autos springen … sie können sogar doppelspringen). Das war es.

Spätestens nach dem knapp 5 minütigen Tutorial hat das wirklich jeder verstanden. Es gibt verschiedenen Fahrzeuge, doch diese unterscheiden sich lediglich im Aussehen, es gibt verschiedene Stadien, doch auch hier sind die Unterschiede rein optischer Natur. Es gibt keine Waffen, keine Gimmicks, keinen Schnickschnack. Über Sieg und Niederlage entscheidet lediglich das eigene Geschick. Und man kann seinem Auto verschiedene Hüte anziehen! HÜTE!

Nach einigen Runden entdeckt man die Feinheiten der an sich simplen Steuerung. Beispielsweise kann man im Sprung dem Ball durch Salti in jede Richtung einen Drall mitgeben oder durch den geschickten Einsatz von Sprung und Turbo quer über das Spielfeld fliegen (und das ist wortwörtlich gemeint). Schnell merkt man, dass die überlegte Positionierung auf dem Spielfeld extrem wichtig ist, man feiert erste Erfolge, traut sich immer waghalsigere Aktionen  … und nach und nach wird man spürbar besser.

rocket_league_gif

Das ist befriedigend … sooo befriedigend. Wer hätte gedacht, dass kleine Autos, die einen Ball auf Tore schubsen, soviel Freude bringen können? Stefan Raab hätte das gedacht! Und „Rocket League“-Entwickler Psyonix natürlich. Aber ansonsten …

„Warum hat noch nie zuvor jemand aus dieser simplen Idee ein Computerspiel gemacht?“, denkt man da doch. Recherchiert man allerdings kurz, stellt man fest: 2008 gab es „Rocket League“ vom gleichen Entwickler schon einmal. Es hieß nur anders: „Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars“. Erschienen ist „Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars“ damals exklusiv für die Playstation 3. Mitbekommen hat das jedoch offensichtlich kaum jemand, was vermutlich in erster Linie am fehlenden Marketing lag (und ein klein wenig vielleicht am dezent sperrigen Titel).
Bei „Rocket League“ sieht die Sache wiederum anders aus. Zunächst einmal hat es sicher nicht geschadet, dass es von Sony zum Headliner des Playstation Plus Angebotes im Juli auserkoren wurde. Nimmt man dann die Qualität des Spiels und addiert den mittlerweile deutlich mächtigeren Effekt viraler Werbung über soziale Netzwerke, steht am Ende der Gleichung ein Spiel über das an allen Ecken des Internets geredet wird.

Ebenfall noch erwähnenswert: Die Kommunikation mit den Mitspielern beschränkt sich größtenteils auf kurze vorgefertigte Sätze, die man via Steuerkreuz auswählt. Voice Chat habe ich bisher noch keinen gehört (Nachforschungen haben ergeben, dass es diesen offenbar nur gibt, wenn die Mitspieler in der eigenen Freundesliste stehen). Unflätige Kommentare sind dadurch quasi ausgeschlossen. Ich persönlich empfinde das als äußerst entspannend (und es erinnert mich daran, dass ich irgendwann mal einen Artikel darüber schreiben sollte, dass eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten in Online-Spielen fantastisch sind).

Fliegendes Spaghettimonster sei Dank zwingt mich jedoch niemand mit vorgehaltener Waffe all dies zu analysieren. Puh …

FAZIT

Jeder – wirklich jeder – der ein Playstation Plus Abo (und eine Playstation 4) hat, sollte dem Spiel AUF JEDEN FALL zumindest eine kurze Chance geben …denn für all diejenigen ist es bis morgen noch umsonst. Alle anderen … auch. Der reguläre Einkaufspreis liegt bei 19,99 €, erhältlich ist das gute Stück für PC und PS 4.

 

________________________

Amazon-Einkauftipps: Selbst wenn man nach der Lektüre dieses Artikels keinerlei Interesse an explosivem Autofussball hat, kann man diesen Blog ein kleines bisschen unterstützen, indem man beim nächsten Amazon-Einkauf zuvor auf diesen Amazon-Link klickt.

„Rocket League“ kann man derzeit lediglich via Steam (beziehungsweise PSN) digital erwerben. Glücklicherweise findet man bei Amazon jedoch auch Guthaben für den Playstation Store. Yeah!

Ein Kommentar

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert