Hexerextras, oder: HUCH!

witcher_3_logoEs passiert nicht mehr allzu häufig, aber manchmal gelingt es einem Spielepublisher noch mich unerwartet positiv zu überraschen. Am Samstag war das mal wieder der Fall … und das bevor das Spiel seinen Weg in die Konsole fand. Das Spiel? „The Witcher 3: Wild Hunt“. Die Überraschung? Das hier:

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„The Witcher 3“ – Verpackungsinhalt (Foto: ich)

Eine solch opulent ausgestattete (wohlgemerkt!) Standardedition eines Spiels habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Neben einer Spielanleitung, die mehr ist als ein halbherzig zusammengestotterter Fresszettel (naja … ein kleines bißchen mehr zumindest), findet man in der Verpackung ein kleines Kompendium mit zahlreichen Informationen über die Spielwelt, eine nette Karte eben dieser Spielwelt, ein paar Sticker, den Soundtrack des Spieles auf CD und folgende Nachricht des Herstellers CD Projekt Red an den Käufer:

Lieber Spieler,

wir möchten uns herzlich für deine Unterstützung bedanken. Wir wissen es zu schätzen, dass du beschlossen hast, dein hart verdientes Geld für unser Spiel auszugeben, und wünschen dir viel Vergnügen beim Spielen. Wir haben in den letzten drei Jahren mit über 200 Kollegen an The Witcher 3: Wild Hunt gearbeitet und es ist uns bei aller Bescheidenheit eine große Freude, das Spiel präsentieren zu können.

Wir von CD PROJEKT RED sind der Ansicht, dass der Kauf unseres Spiels zu fortdauerndem kostenlosem Support, Updates, Patches und tollen neuen Inhalten berechtigt. Das schulden wir den Spielern, die an uns glauben und unser Spiel erwerben. Zum Danken haben wir etwas Besonderes vorbereitet: 16 DLCs zum Herunterladen, ganz und gar kostenlos, für alle Spielversionen und Plattformen.

Wir danken für deine Unterstützung und wünschen dir ein wunderbares Rollenspielerlebnis der nächsten Generation!

CD PROJEKT RED

Man kann zusammenfassen: CD Projekt Red bemüht sich redlich sein über die letzten Jahre mühsam erworbenes Image als der nette und kundennahe Hersteller von nebenan zu pflegen. Meines Erachtens gelingt das auch recht erfolgreich (mit kleinen Guddis gewinnt man schnell mein Wohlwollen). Natürlich ist das alles letzten Endes auch nur PR, aber es ist verdammt noch mal sympathisch. Um so ärgerlicher finde ich persönlich da die ganze mühselige Downgrade-Debatte der letzten Tage. Ja … das Spiel hat sich im Laufe der mehrjährigen Entwicklung optisch verändert. Ja … man hat zu Beginn offenbar höhere Ziele angestrebt und musste Kompromisse eingehen. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Spiel weiterhin verdammt hübsch ist. Die am lautesten klagende PC-Masterrasse wird sich das Spiel in den nächsten Wochen doch sowieso zurecht modden.

Genug geschimpft, zurück zu den Verpackungsinhalten: Als ich sämtliche Inhalte vor mir augebreitet hatte, lief mir ein wohliger Schauer über den Rücken und der alte Mann in mir grummelte: Dass ich so etwas noch einmal erleben darf. Früher – in längst vergessenen Zeiten – waren relativ üppige Spielebeilagen der Quasi-Standard. Als ehrlicher Käufer bekam man regelmäßig ein ordentlich geschnürtes Erlebnisgesamtpaket geboten. „Wing Commander“ kommt mir da in den Sinn … mit seiner ausführlichen Anleitung und zahlreichen extra beigepackten und schön illustrierten Informationen zu den Raumschiffen. „Day of the Tentacle“ ist ein anderes Beispiel … mit seiner in unterhaltsamer Prosaform verfassten Spielehilfe. Ähnliches gilt für die ersten „Simon the Sorcerer“-Teile, deren Anleitungen mindestens genauso unterhaltsam waren wie die dazugehörigen Spiele. All das sind jedoch noch eher unspektakuläre Beispiele, die wahren Perlen bekam man als Rollenspieler serviert. Das habe ich zumindest gehört. Ein solcher war ich damals nämlich noch nicht, daher kann ich keine Beispiele aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz abrufen.

Schade.

UND DAS SPIEL?

Bei „The Witcher“ kann ich ganz affektiert Spiele-Hipster sein: „Ich habe ‚The Witcher“ ja schon gespielt als noch nicht die ganze Welt darauf abging!“ Oder anders gesagt: Ich fand „The Witcher 1 + 2“ super, ergo: ich finde auch „The Witcher 3“ (bisher) super. Damals wie heute brilliert die Reihe in ihren Geschichten, den großen und vor allem auch den kleinen. Großartig ausgearbeitete und sich gerne auch verzweigende Nebenquests, eine wunderschöne (und erstmals offene) Welt, tolle Charaktere, moralische und die Handlung verändernde Entscheidungen, ein charismatischer Held und … jawoll … Brüste! Was will man mehr von einem Rollenspiel? „Kopffüßler mit Riesenaugen, Parties, Klassenwahl und rundebasierte Kämpfe!“, stöhnen nun möglicherweise vor allem die Japano-Rollenspieler unter meinen Leser auf … aber diese höre ich leider nicht, weil ich mittlerweile vollkommen in des Hexers Welt verloren bin.

Ich sollte vermutlich noch einmal betonen, dass dies lediglich meinen Ersteindruck nach wenigen Spielstunden widerspiegelt. Es würde mich zwar wundern, wenn das Spiel mit zunehmender Dauer eine Kehrtwende Richtung katastrophal nehmen sollte, aber wer weiß? Möglicherweise stört mich in einigen Wochen ebenfalls, dass im gesamten Spiel keine Menschen dunkler Hautfarbe vorkommen und Geralts Welt zu allem Überfluss auch noch frauenfeindlich ist (und ignoriere dabei, dass auf andere Art und Weise Rassenhass thematisiert wird, Frauen zu den mächtigsten und komplexesten Figuren des Spiels gehören, Männer teilweise ebenfalls stark sexualisiert dargestellt werden und Frauenfeindlichkeit im Allgemeinen durch das Spiel nicht gerade befürwortet wird). Möglicherweise stimme ich bis dahin auch weiterhin denjenigen zu, die denken, dass das aus diversen Gründen Bullshit ist und erfreue mich einfach am Spiel. (Ernsthaft: als ich das gestern gelesen habe, konnte ich nicht anders als einfach mal mit Karacho meinen Kopf gegen die Tischplatte zu hämmern.)

…und auf dieser leicht angepisst-politischen Note ende ich und widme mich wieder dem Hexer. Dabei wollte ich eigentlich nur kurz lobend erwähnen, dass ich die physischen Extras super finde …

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Amazon-Einkauftipps: „The Witcher 3: Wild Hunt“ gibt es selbstverständlich bei Amazon für sämtliche unterstützte Plattformen und in diversen Versionen. Die PC-Version „The Witcher 1 +2“ gibt es während Sales häufig für ’nen Appel und ein Ei bei Steam oder direkt bei CD Projekt Red auf deren Plattform Good Old Games (um genau zu sein gibt es dort beide Spiele momentan vergünstigt / Stand: 18.05.2015). Teil 2 gibt es dann auch noch als Xbox 360 – Version.

6 Antworten auf Hexerextras, oder: HUCH!

  1. DMJ sagt:

    Beim (janichtsowirklichtollen…) „Watchmen“-Spiel lag eine Faltkarte mit der Timeline des „Watchmen“-Universums bei.

    Ich überlegte schon öfters, ob ich sie da rausnehme und in den besseren Comic lege, aber ich fürchte, was passiert, wenn Film-Version und Original sich berühren. 😛

  2. Andreas sagt:

    Ich bin ja ebenfalls ein großer Fan des Comics und mag auch den Film sehr gerne … aber das „Watchmen“-Spiel hat mich wirklich nie NIE NIEMALS gereizt. Das zeugt von Hingabe 😀 Wobei es ja auch nicht richtig scheiße sein soll … lediglich böse mittelmäßig halt.

    Aber Faltkarten und Karten im Allgemeinen sind einfach immer etwas Nettes, nicht zuletzt da man solche Boni mittlerweile nunmal wirklich nur noch selten bekommt. Meistens packe ich sie einmal aus, falte sie auseinander, ergötze mich daran, packe sie wieder zurück und lasse sie fortan unbeachtet in der Verpackung vergammeln. Nichtsdestotrotz erfreut es das Spielerherz!

  3. DMJ sagt:

    Ho! Ich kann nochmal mitreden: Denn vor wenigen Tagen habe ich in einem Second-Hand-Laden den zweiten Witscherer zugelegt und auch der hatte einen Schuber, eine Soundtrack-CD, sowie ein Lösungsbuch dabei.

    Wahrlich nette Leute, die CD Projekt Redler!

    (Nebenbei habe ich zur Vorbereitung den ersten Band der Vorlage gelesen. Ist auch ziemlich gut und die Spiele nodden immer wieder nett auch mit Details in ihre Richtung.)

  4. Andreas sagt:

    Oha! Das wusste ich nicht. Das kommt davon, wenn man sich die „Witcher“s bisher immer nur in diversen Steam Sales zugelegt hat 😀

    Ich spiele bereits seit geraumer Zeit mit dem Gedanken mich auch einmal an die Romane heran zu wagen. hatte aber aufgrund gemischter Amazon-Kritiken immer Angst, dass sie nicht ganz so toll sein könnten.

  5. Genau genommen waren alle drei gut ausgestattet. 😀 Der erste jedenfalls in der Enhanced Edition. Davor kann ich nicht mitreden, da ich es da noch nicht kannte. The Witcher war ja ursprünglich nicht sooo gut und hatte ziemlich viele Fehler. Die haben sie mit der Zeit beseitigt und das Game nochmal als Enhanced auf den Markt gebracht. Mit der wurde es dann auch zum Erfolg.

    Ich liebe die Witcher Spiele. Nach dem guten ersten Teil mussten von 2 und 3 die Sammlerausgaben her. Was bei der von Teil 3 etwas heißen mag. In den letzten Monaten oder auch Jahren, kamen kaum noch neue Sammelausgaben hier ins Haus. 😀

  6. Andreas sagt:

    Da ärgert es mich fast, dass ich Teil 1 und 2 rein digital gekauft habe (dafür haben sie jeweils gerade mal um die 6 € gekostet … aber trotzdem). Ich liebe die Spiele ebenfalls … umso seltsamer, dass ich den zweiten Teil beinahe ein Jahr lang kurz nach Akt 1 habe ruhen lassen. Erst als Teil drei langsam aber sicher in Reichweite kam, habe ich den zweiten dann in Rekordzeit noch fertig gespielt 😀

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