#Gamergate – Ein unqualifizierter Kommentar

#quinnspiracyKleines erklärendes Vorgeplänkel: Solltest du, geneigter Leser, noch nie etwas von den beiden Hashtags #Gamergate und #Quinnspiracy gehört haben, dann schätze dich glücklich, denn du hast dich bis dato erfolgreich von einem eher nervenaufreibenden Thema ferngehalten. Zum Verständnis dieses Beitrags hier wären rudimentäre Kenntnisse jedoch von Vorteil, weshalb ich zuvor die Lektüre von Dirk M. Jürgens‘ Zusammfassung beim Buddelfisch empfehle. Ich warte solange hier.

Wieder zurück? Super. Bisher habe ich mich erfolgreich darum gedrückt einen eigenen Kommentar zu #Gamergate abzugeben. Das Thema ist vergleichsweise komplex, die Gemüter kochen schnell hoch und eine wirklich „richtige“ Meinung gibt es vermutlich sowieso nicht. Nachdem die Galionsfeministen Anita Sarkeesian vor kurzem eine Veranstaltung abgesagt hat, da ihr offenbar „ein Massaker“ angedroht wurde, hat es #Gamergate jedoch sogar in die New York Times geschafft. Dieser Umstand muss irgendetwas in meiner gemütlichen Seele getriggert haben, denn mit einem Mal verspürte ich den Drang doch etwas zu dieser Tragödie in fünf Akten zu sagen. Es lässt sich in drei kleinen Worten zusammenfassen:

Es nervt mich!

Okay … das war vielleicht ein wenig arg knapp. Ich sollte vermutlich doch noch etwas mehr ins Detail gehen. Stellt euch vor, dass ich nun theatralisch ganz tief ein- und ausatme …

GENERVT!

Es nervt mich, dass frauenfeindliche Proleten das Thema dafür missbrauchen, um aus ihren schmierigen dunklen Löchern zu kriechen und ihren widerlichen Frauenhass zu zelebrieren.

Es nervt mich, dass die vermeintlichen Recken für das Gute auf der Gegenseite auf ihren hohen Rössern sitzen und davon überzeugt sind, dass sie absolute Meinungshoheit haben und dabei auch nicht davor zurückschrecken selbst jenen das Wort zu verbieten, für deren Rechte sie angeblich einstehen.

Es nervt mich, dass diese wichtigen Themen prinzipiell durch genau diese Arschlöcher auf beiden Seiten des Diskussionsspektrums kaputt gebrüllt werden.

Es nervt mich, dass Anita Sarkeesian dem Thema Sexismus in Videospielen dadurch schadet, dass sie in ihren Videos Spiele manipulativ falsch wiedergibt und so lange zurecht biegt bis es zu ihrer recht einseitigen Argumentation passt und dadurch beinahe schon automatisch den Unmut vieler Spieler auf sich zieht.

Es nervt mich, dass durch den ganzen Zirkus junge Frauen vermutlich eher davon abgeschreckt werden, Karrieren in der Spielebranche zu beginnen.

Es nervt mich, dass die Massenmedien das Thema sehr einseitig wiedergeben und dadurch zusätzlich noch Öl ins Feuer kippen.

Es nervt mich, dass heutzutage überhaupt noch notwendig ist, eine solche Diskussion zu führen.

Und zu guter Letzt nervt es mich, dass ich davon genervt bin.

So!

GIVE PEACE A CHANCE

Dirk schrieb in seinem Artikel beim Buddelfisch abschließend:

Doch nachdem man gemeinsam gekämpft hat, nachdem man so deutlich gesehen hat, dass die Fronten nicht nach Geschlechtergrenzen verlaufen, sehe ich die Hoffnung, dass all diese Unsympathen künftig aus dem Mainstream verdrängt werden können. Statt anzunehmen, dass das andere Geschlecht einem das Spielen vermiesen will, sage man sich künftig: „Die einen haben eine Sarkeesian, die anderen Jack Thompson… nehmen wir uns nicht krumm, dass wir die gleichen Chromosomen haben wie die, sondern spielen eine Runde ‚Mario Kart‘!“

Ich befürchte zwar, dass die Unsympathen beider Seiten so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden werden, doch ja … können wir uns nicht einfach die Hände reichen, gemeinsam Spiele spielen, etwas Zeit ins Land gehen lassen und dann vielleicht noch einmal ganz ruhig, ohne Gebrüll, ohne Überheblichkeit und ohne Gewaltandrohungen miteinander sprechen? Wäre das nicht schön?

Ja … ich bin in der Tat ein Träumer.

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Postskriptum: Dirk hat vor einer Weile noch einen Folgeartikel beim Buddelfisch verfasst und behandelt in diesem den ganzen Themenkomplex bei weitem kompetenter und informierter als meine Wenigkeit.

4 Antworten auf #Gamergate – Ein unqualifizierter Kommentar

  1. DMJ sagt:

    Ja, letztlich scheint mir Genervtheit auch das einzige zu sein, worauf die ganze Nummer wirklich hinausläuft… Völlige Abschottung zwischen den Parteien, keine echte Hoffnung mehr, dass was passiert.

    Und, um eine Brücke zu meinem Gastartikel zu schlagen: anscheinend gibt es wohl eine Twitter-Bewegung o.ä. „Hatred“ nicht auf den Markt zu bringen (äh… sonst boykottieren es wohl die Leute, die es nicht kaufen wollten) und in GG-Kreisen überlegt man, ob man sich darum für das Spiel stark machen sollte. DAS wird die Lage sicher entspannen. -_-

  2. Andreas sagt:

    Leider ist dieses „Hatred“-Beispiel wirklich ein schönes Beispiel dafür, warum die gesamte Bewegung komplett zum Scheitern verurteilt ist. Einfach prinzipiell für etwas stark machen, weil die Gegenseite dagegen ist, ist … naja … dumm. Und solange dort dumme Menschen starken Einfluss haben … ach …

    Ich bin genervt.

  3. DMJ sagt:

    Also generell sehe ich den Zusammenhang schon: Auch hier geht es darum, dass die Freiheit der Kunst (die ja auch für eine Industrie gelten muss) durch Druck von außen bedroht wird. Dass Leute unmoralische Spielinhalte mit echter Unmoral gleichsetzen; tauchte Jack Thompson wieder auf, würde sich GG auch in den Kampf mit ihm stürzen.

    Idealistisch macht das schon Sinn, meine Bedenken sind eher taktischer Natur. Natürlich muss das gleiche Recht für alle gelten, aber wenn man gleich Nebenschauplätze aufmacht, bei denen man zu suspekte Verbündete hat, schwächt man sich natürlich.

  4. Andreas sagt:

    Es mag idealistisch zwar in einem Gewissen Maße Sinn ergeben, doch ein wenig bleibt bei deiner ersten Schilderung schon der Eindruck, dass man sich halt in erster Linie deswegen dafür stark machen möchte, weil eine Gruppe von -wie du es so schön angedeutet hast – Sowieso-Nicht-Käufern zum Boykott aufruft. Da stellt sich schon die Frage, ob sie sich ohne potentiellen Boykott auch dafür stark gemacht hätten.

    Aber egal … selbst wenn … dann bleibt es ja weiterhin – wie auch von dir angemerkt – taktisch dumm. So!

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